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Bluse mit Jeans und Accessoires

Personal Shopping – mein Selbstversuch

2 | 2018-08-30 02:00 | Style Blog

Was macht eigentlich ein Personal Stylist? Was ist der Unterschied zum Personal Shopping oder zur guten alten Stilberatung? Wie läuft das ab und was bringt es? 
Diese Fragen werden mir immer wieder gestellt, wenn ich erzähle, dass ich nach unserer Weltreise als Personal Stylist arbeiten möchte. Wie ist es eigentlich mit einem Personal Shopper einkaufen zu gehen?Diese Frage kann ich Euch gern beantworten, aus der Sicht von jemandem, der seit nun 17  Jahren (mit 4 Jahren Unterbrechung in der Einrichtungsbranche) in der Modeindustrie zu Hause ist. 
Noch lieber möchte ich aber aus erster Hand und eigener Erfahrung als Kundin erzählen und habe mir daher vorgenommen, während unserer Weltreise 3 Termine mit Personal Shoppern oder Personal Stylists zu buchen. An 3 komplett unterschiedlichen Orten. Tatort Nr. 1 soll Tokyo sein.

Warum kein Termin zu Hause in Zürich?
Natürlich denke ich, die optimalen Farben und Schnitte für mich zu kennen, daher wollte ich nicht unbedingt eine Stylistin zu Hause anheuern. Vielleicht liege ich falsch, aber ich denke das Ergebnis hier wäre weniger überraschend als bei einer Beratung anderswo. Die unterschiedliche Auffassung von Ästhetik in andern Kulturen interessiert mich nämlich sehr. 
Wie sieht mich ein Stylist in Japan? Oder in LA? Jemand, der in einer völlig anderen Umgebung lebt und daher täglich andere Inspiration findet als ich? 

Personal Shopping in Tokyo

Recht schnell finde ich die Website von Makiko, eine ehemalige Japan Airlines Stewardess gone Personal Stylist und buche 2h Personal Shopping im Stadtteil Shinjunku. 
Makiko schickt mir einige Fragen zur Vorbereitung. Ich schreibe ihr, dass ich am liebsten ein Sommerkleid finden würde, das ich meinen Oberkörper mag, meine Beine eher weniger und ein Budget von ca. 250 CHF ausgeben würde für ein Kleid. Wichtig ist mir auch, japanische Brand zu entdecken. Dazu ein Foto von mir.

Ingrid Angehrn und Makiko
Mit Personal Stylist Makiko in Tokyo auf Shopping Tour

Wichtig: Ein Briefing an die Stylistin

Wir treffen uns also vor dem Isetan Department Store in Shinjunku. Ich bin mega gespannt und habe mir fest vorgenommen, ALLES anzuprobieren, auch sollte ich etwas total schrecklich finden. 
Erster Eindruck: Sehr stylische Frau! Auf wunderschönen, bestickten High Heels unterwegs. So werden meine Kunden mich wohl eher nicht beim Shopping Trip antreffen…

Keine schlechte Idee: Wir starten in einem Kaufhaus

Isetan kenne ich schon von 1-2 Besuchen und fand die Auswahl immer recht schön, aber nicht aufregend. Wir fahren recht weit nach oben, glücklicherweise, denn auf den ersten Stockwerken befinden sich die internationalen Designer, die 

  1. über meinem aktuellen Budget liegen und 
  2. kann ich diese natürlich auch in Europa finden. 

Wir landen zuerst bei einen seeehr extravaganten Streetwear Brand, um es diplomatisch auszudrücken. Ich hatte ja gesagt, ich suche japanische Brands, hatte dabei aber anscheinend nur das Cliché von gedeckten Farben, hochwertigen Stoffen und raffinierten Schnitten im Kopf. 
Bin kurz irritiert sprachlos. Vor allem ein Kleid sticht mir in’s Auge. Es hat einen schwarzen Kragen, von dem bunt bedruckte Stoffstreifen ca. einen Meter lang einfach herunterhängen. Es hat schon noch eine Art Unterkleid, damit man nicht nackt dasteht, aber das rettet es nun auch nicht mehr.
Auf einem Laufstegfoto hätte ich das Stück sicher interessant gefunden, aber an mir?? Ich wollte ja ALLES anprobieren…- eher doch nicht. 
Wir ziehen also weiter zu einem zweiten Label. Sehr schöne Teile, etwas konservativ vielleicht, aber ich wollte ja nicht so voreingenommen sein. Makiko findet ein Seidenkleid mit gelb/weiss/grauem Druck. I like! Bei dem Stoff beschleicht mich aber der Verdacht, es könnte recht kostspielig sein. 
Probiere also heute zum Ersten mal etwas an. Recht schön, aber über 1’200chf! Bin leicht irritiert, dass wir bei solchen Brands überhaupt Zeit verschwenden, schliesslich hatte ich mein Budget ja vorab durchgegeben. 
Mir ist etwas mulmig, dass ich evt. nichts finden werde. Unangenehme Situation. Andererseits, zahle ich Makiko’s Beratung für zwei Stunden. Daher bin es auch ich, die entscheidet. Sie ist kein Personal Stylist, der in einem Geschäft angestellt ist und von der Verkaufsprovision lebt. Daher sollte man doch auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn man wenig oder garnicht kauft. Auch wenn der Stylist sicher stark an seinen Fähigkeiten zweifeln wird. Aber sorry, es ist ja mein Portemonnaie.

Die Stylistin schlägt Brands vor, die zu meinem Typ passen

Also weiter. Makiko’s nächster Vorschlag ist ein Brand namens Tomorrowland. (Ich habe übrigens keinerlei Gegenleistung von irgendwem erhalten für das Nennen von Namen!)
Meine Laune hebt sich schlagartig! Ich könnte den ganzen Laden anprobieren. Ziehe also mit den ersten 3 (oder so) Teilen in die Kabine. Während ich mich umziehe, findet Makiko noch weitere Teile, die ich garnicht gesehen oder gesehen und nicht beachtet habe. Mir gefällt das allermeiste und vor allem: Es passt auch. Ist ja auch nicht selbstverständlich… Jedes Brand hat ja seine eigene Passform und zu meiner Freude, scheint das hier meine zu sein. 
Natürlich denke ich, dass ich weiss was zu mir passt und mir steht und so sieht meine Auswahl zwar gut aus, ist aber nicht wahnsinnig anders oder aufregend als was ich in Zürich auch anprobiert hätte. 
Makiko bringt ein plissiertes (Stoff mit feinen, senkrechten Falten) Kleid mir Blumendruck in grün/blau/gelb. Mir wäre es zu ladielike, zu auffällig gewesen, ich hätte es wohl nicht in die Kabine mitgenommen. Angezogen: Like it a lot! Meine Stylistin lobt, wie mir die Farben stehen- finde ich auch. Noch ein Gürtel drauf: Tata! Wir sind begeistert! Foto machen und weiter.
Als nächstes folgt eine meeega weite türkis farbende Hose und dazu ein weites Oberteil mit Lochstickerei. Oberteil weit- Hose weit. Eine Kombi, wie wir sie in Europa eher weniger sehen- zumindest auch der Strasse nicht. 
Ich finde es sehr modern, muss mich aber noch das schiere Volumen des Outfits gewöhnen. Mir wird erklärt, dass eine Japanerin das Oberteil vorne ganz wenig in den Hosenbund stecken würde. Ich bin erstaunt, denn das ist sehr viel und sehr steifer Stoff. Aber ok, ich wollte japanischen Stil, ich bekomme japanischen Stil. Mag das Outfit mehr und mehr. 

Anprobe verschiedener Outfits meiner Stylistin
Nur drei der sicher 8-9 Outfits, die ich probiert habe.

Während ich anprobiere, stellt Makiko neue Outfits zusammen

Als nächstes zaubert Makiko einen Seidenoverall aus dem Hut, den ich wohl auch übersehen oder nicht beachtet hatte. Mein nächstes Lieblingsoutfit! Grau ist ohnehin meine neutrale Farbe Nr.1 als  Grundlage meiner Garderobe. Steht meiner hellen und transparenten Haut einfach viel besser als das harte schwarz. Das Oberteil des Overall sitzt nicht optimal. Das sieht auch Makiko und hat schon eine Idee, wie eine Änderungsschneiderei das schnell in Ordnung bringen könnte.
Wir probieren noch 2 oder 3 Outfits mehr. Ich mag fast alles, was meine Stylistin bringt. Jetzt haben wir wirklich den gemeinsamen Nenner gefunden. 
Entscheidungszeit!
Extra Schwierigkeitsstufe: Da ich ja noch 7 Monate Weltreise vor mir habe, muss das neue Outfit absolut koffertauglich sein. Auch möchte ich es gern während der Reise tragen können- und am liebsten nicht nur das eine mal, wenn wir „schön“ essen gehen. 
Ich befürchte, dass das Plissee (die Falten) des ersten Kleides sehr leiden könnte und die leichte Seide des Overalls zu empfindlich für meine aktuelle Situation ist. Daher entscheide ich mich für das (aus meiner Sicht) mutigste Outfit: Die weite Wickelhose mit dem ebenfalls weiten, weissen Top. 
Ausserdem: Einer meiner Shopping Grundsätze: Neue Teile müssen eine Erweiterung meiner Garderobe sein. D.h. keine Dubletten- nichts, was ich in ähnlicher Form schon habe. Ich habe einen dunkel violetten Overall. Brauche ich noch einen dunkelgrauen in einem ähnlichen Schnitt und Stoff? Wenn ich ehrlich bin, ist das mehr oder weniger der selbe Look. 

Entscheiden muss der Kunde

Ich habe mein Budget zwar leicht überschritten,  bin aber mega happy!
Mein Update einen Monat später: Liebe meine zwei neuen Teile immer noch sehr. Sie werden bei jedem Koffer packen schön nach oben gelegt, sorgfältiger gefaltet als alle anderen Teile und ich freue mich sehr, sie auch in Zürich zu tragen.
Vor allem: Ich hätte sie weder anprobiert noch gekauft, wäre ich alleine unterwegs gewesen! Genau das ist es, worauf es mir ankam: Einen neuen Look zusammenzustellen den ich mag, aber selbst nicht gefunden  hätte.

Ziel neuer Look erreicht!

Ihr habt bestimmt bemerkt, dass ich immer von Personal Shopping spreche, aber von einer Stylistin und nicht einer „Shopperin“. Im Grunde ist Personal Shopping ein Service, der von einer Stylistin angeboten wird. Meist gibt es ergänzend noch weitere Services wie ein Kleiderschrank Update (auch wardrobe workout genannt) mit einer Beratung zu Farben, Schnitten usw. 
Mir fallen immer wieder neue Trendbegriffe auf, die alles das selbe oder sehr ähnliches bedeuten. 
Sobald ich mal wieder in Stündchen Zeit habe, schreibe ich Euch ein ausführlicheres Glossar über die gängigen Services und ihre Namen!
Wenn ihr die Veröffentlichung nicht verpassen möchtet, tragt Euch in meinen Newsletter unten ein! 
Auch Teil 2 meiner Personal Shoppen Tour folgt demnächst! 
In der Zwischenzeit schaut euch doch diese interessanten Linkt zum Thema Personal Style an:

 

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