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Hilfe Black Friday! So fällst du nicht auf fake Rabatte herein!

Kleiderständer mit Rabattschild

Hilfe Black Friday! So fällst du nicht auf fake Rabatte herein!

2 | 2019-11-27 06:00 | Style

Update 24.11.2021

Ich hörte kürzlich, dass sich Leute für Black Friday einen Tag frei nehmen um „in Ruhe“ (hahaha!) shoppen zu können…
Wie sieht’s bei dir aus? Freust du dich auf Black Friday, Cyber Monday und überhaupt die Rabatt Saison oder ist’s dir eher zuwider? Schreib‘ mir deine Meinung unten in die Kommentare!

Du weisst vielleicht, dass ich lange Jahre als Produktmanagerin und Einkäuferin international Kleidung und Einrichtungsprodukte für grössere Ketten eingekauft habe. Darunter, ja ich gebe es zu, auch Produkte, die nur für den Sale (darunter natürlich auch Black Friday) beschafft wurden. Was heisst das? Der Rabatt wurde vorher auf das Produkt draufgeschlagen. Es hat niemals den vollen Preis gekostet und ist diesen somit auch nicht wert.
Natürlich trifft das nicht auf alle rabattierten Artikel zu, aber doch auf einige. Ich behaupte: Je öfter und aggressiver Sales stattfinden, desto mehr wird es fake Rabatte geben, denn anders können sich Händler die Rabattschlacht garnicht leisten.
Du kannst dir also vorstellen, dass sich meine Black Friday Euphorie in Grenzen hält.

Was ist wirklich ein Rabatt und was tut nur so?

Wie erkennst du also, ob ein Artikel wirklich runtergesetzt ist, oder ob nur ein rotes Preisschild an einen speziell für den Sale produzierten Artikel gehängt wurde?

  • Das Preisschild ist von vorne herein mit einem hohen und einem niedrigeren Preis bedruckt.
    • D.h. keine überklebten Preise, oder manuell durchgestrichenen Preise, sondern ab Fabrik mit sog. „Rotstiftpreis“ ausgezeichnet
    • Muss kein Beweis für einen fake Sale sein, ist es aber sehr oft
  • Es hat noch sämtliche Farben und Grössen eines Artikels, schön durchsortiert und ordentlich präsentiert.
    • Wirkliche Rabattartikel sind oft Einzelstücke, oder nur noch in Randgrössen erhältlich.
    • Oft sieht man ihnen die Monate auch an, die sie schon im Laden hingen
    • Ist ein Artikel in Hülle und Fülle verfügbar, und sieht brandneu aus: Die Chancen sind hoch, dass er extra günstig beschafft wurde um einen Rabatt zu suggerieren.
  • Du hast den Artikel noch nie zuvor gesehen
    • In deinen Lieblingsläden kennst du das Sortiment evt. schon recht gut, oder?
    • Wenn plötzlich im Sale Artikel auftauchen, die du nie zuvor dort gesehen hast…verdächtig.

 

Was ist das Produkt wirklich wert?

Meistens: Genau den reduzierten Preis.
Manchmal sind Produkte mit fake Rabatten tatsächlich vom Händler niedriger kalkuliert als üblich, somit ist der Deal nicht ganz schlecht.
Am sichersten (und auch ehrlichsten dir selbst gegenüber!) bist du, wenn du dich fragst: „Würde ich das Stück auch wollen, wenn dies ein ganz regulärer Preis wäre?“ Soll heissen: Wenn dir nicht das Gefühl eines Schnäppchen untergejubelt würde!

Mein Mantra für jeden Kauf: Cost per wear!
Wie oft wirst du dieses Kleidungsstück voraussichtlich tragen? Ehrlich! 10x ? 20x? Du teilst also den Kaufpreis durch diese Zahl.
Beispiel: 299euro Preis / 15x Tragen = 19.93euro pro mal Tragen
Ist dir das Teil das Wert?

Der Hintergedanke ist hier, dass wir oft viel Geld für besondere Dinge ausgeben. Und mit „besonders“ ist gemeint: Wir brauchen sie nur extrem selten, zu speziellen Anlässen. Wir haben also Geld ausgegeben und geniessen das Stück dann nicht einmal. Dann doch lieber mehr für schöne Alltagsdinge ausgeben, die wir (fast) täglich benutzen und uns entsprechend oft darüber freuen, oder?

 

Härtefall: Die Black Friday / Cyber Monday / Sale Saison

Nur (wirklich: NUR) mit kritischen Freunden shoppen.

Bestimmt hast du auch Freundinnen, die mit so grosser Begeisterung shoppen, tütenweise Teile finden, denen alles zu gefallen und passen scheint. Und irgendwann schleicht sich den ganz leise das Gefühl ein, doch auch endlich mal etwas kaufen zu müssen. Wir wollen ja nicht langweilig oder knauserig sein. Und Schwupps! Liegt das nächste Teil ungetragen im Schrank…
Mein Weg: Mit diesen Freundinnen lieber in’s Kino und mit den wirklich kritischen Ladies zum Shoppen.

Dein Style Diary

Hast du ein Style Diary? Ein Album mit Outfitselfies in deinem Handy? So ein Style Diary hat 3 grosse Vorteile:

  • Es hilft dir ein Auge zu schulen: Was steht dir und was weniger?
  • Du bekommst einen ehrlichen Überblick was du eigentlich wie oft trägst (und was nicht..)
  • Du vermeidest Dinge zu kaufen, die schon in ganz ähnlicher Art in deinem Schrank hängen und somit keinen Mehrwert für deine Garderobe bringen.

Deine eiserne Shopping Liste

Jetzt wird’s ganz altmodisch: Wirklich nur mit Plan shoppen! D.h. schaue vorher nochmal in deinen Schrank:

  • Welche Teile würdest du gern mehr tragen, es fehlen aber Kombipartner? Das könnte etwas für die Shoppingliste sein!
  • Ein Stück ist alt und du suchst einen Nachfolger? Auf die Liste!
  • Du würdest gern eine bestimmte Farbe probieren, traust dich aber nicht so recht? Das könnte die Chance sein, es mit einem günstigen Stück auszuprobieren.
  • Und natürlich: Ein lange gehegter Traum! Mein Burberry Trench stand eine ganze Weile auf der Liste, bis ich endlich das richtige Modell, in der richtigen Farbe zum richtigen Preis gefunden habe!

Pre-Shopping

Wenn ich mit Kundinnen einkaufen gehe, dann war ich kurz vorher bereits alleine in den entsprechenden Läden und habe die Rosinen für meine Kundin herausgepickt und zurücklegen lassen. So sparen wir wertvolle Zeit und Rennerei in Geschäfte, die dann doch nicht haben, was wir suchen (ausverkaufte Grössen etc).
Ähnliches kann ich dir wärmsten für die Sale Saison empfehlen. Du schaust vorab online (im Klartext: Ohne Verlockung durch Rabatte und mit kühlem Kopf), was du möchtest und brauchst wartest dann, bis/ob die Teile reduziert werden. So kannst du in der Sale Saison ganz gezielt nach deinen Teilen schauen. Reduziert Stress und Fehlkäufe ungemein!

Mal ehrlich: Online Shopping

Mit online Shopping verbindet mich ja ehrlich gesagt eine Hassliebe. Aus professioneller Sicht finde ich es einfach grossartig. Macht es so viel leichter genau das Produkt, dass ich suche für meine Kundin zu finden. In irgendeinem Shop finde ich immer die richtige Grösse und perfekte Farbe. Super!
Was ich aber auch ganz oft von meinen Styling Kundinnen höre: Ihre häufigsten Fehlkäufe sind im Sale und online geshoppt!

Was ist online schwieriger als im Laden?

Qualität einschätzen, Passform einschätzen.. Dafür können wir (oft) kostenlos retournieren. Und genau das sollten wir auch ganz ehrlich tun!
Kennst du dieses Gefühl, wenn das Teil nun schon einmal bei dir zu Hause ist, dass es dann oft auch bleiben darf. Weil es sich anfühlt, als würdest du etwas weggeben, wenn du es zurückschickst?
Und schon wandert ein mittelmäßiges Kleidungsstück in den Schrank. „Wenn es schon mal da ist..“

Seitdem ich dieses Muster an mir entdeckt habe, frage ich mich bei jedem online geshoppten Kleidungsstück:
„Würde ich mit diesem Teil im Laden an die Kasse gehen, mich anstellen und den entsprechenden Preis bezahlen? Würde ich das mit Freude tun?“
Wenn nicht: Das Teil muss zurück. Klarer Fall. Warum sollte ich etwas behalten, dass ich im Laden hängen gelassen hätte?

Hast du nicht mehr Tipps für die Sale Saison für uns? Schreib‘ sie gern unten in’s Kommentarfeld.

happy shopping,
Ingrid

PS: Lieber den eigenen Schrank shoppen und ganz neue Outfits aus deinem Bestand zusammenstellen? Dann könnte mein Mini-Kurs „Outfits kombinieren“ etwas für dich sein:

 

5 Comments

  1. Annemarie Schalk

    Liebe Ingrid,
    Cost of wear habe ich schon vor 30 Jahren gemacht und mich somit von meiner Kaufwut geheilt, weil mir damals bewusst geworden ist, wieviel mich meine Kleidung pro Tag gekostet hat. Ich war damals so frustriert mit meinem Leben, dass ich das mit Shoppen ausgleichen wollte. Das Ergebnis war, dass ich unendlich viele Kleidungsstücke hatte und zwar alle in Herbstfarben. Mittlerweile mag ich diese Farben nicht mehr und trage seit einigen Jahren alle Farben, die mir gefallen, jedoch hauptsächlich Sommerfarben, die ich schon als junge Frau sehr möchte, bevor ich wusste, dass ich ein Herbsttyp bin. mittllerweile kaufe ich mit Verstand und auch Genuss und achte darauf, nur noch Lieblingsteile zu kaufen und nicht irgend etwas, was ganz nett ist. Ich finde deine Mails sehr inspirierend und freue mich immer etwas von dir lesen zu dürfen. Vielen Dank und liebe Grüsse Annemarie

    • Ingrid

      Hallo liebe Annemarie

      Ganz lieben Dank für deine schöne Nachricht! Genau das soll Mode und Kleidung doch leisten: Sie soll uns Freude bringen, den Alltag ein bisschen genussvoller machen! Wie schön, dass du deinen Look gefunden hast!

      liebe Grüsse,
      Ingrid

  2. Silke

    Liebe Ingrid,
    ein super Artikel, randvoll mit praxistauglichen Tipps! Vielen Dank.
    Ich neige nicht zum Hamsterkauf, unter anderem, weil meine Ansprüche an Kleidung recht umfangreich sind und daher das meiste schonmal wegfällt. Meine Kleidung muss meinen aktiven Alltag mitmachen und so frage ich mich beispielsweise, ob ich in dem Stück auf dem Boden sitzen oder einen Handstand machen könnte. Bei Schuhen bin ich zu 100% bei Minimalschuhen.
    Mittlerweile kenne ich die entsprechenden Händler und deren Sortiment und erkenne den echten Sale.

  3. Ingrid Katzinger

    Liebe Ingrid,
    vielen Dank für den Artikel – ich dachte mir beim Lesen nur „ja – ja und ja“. Cost of wear ist ein echt interessanter Ansatz, den ich in Zukunft mehr bedenken werden (bei Jeans, die ich ständig trage habe ich mir immer schon gedacht, dass der Preis für den Trageeinsatz gerechtfertigt ist).
    Liebe Grüße aus Ö
    Ingrid K.

  4. Andrea

    Liebe Ingrid,

    vielen Dank für diese anregenden Zeilen.
    Du hast mich noch mal in meinem Gedankengang bestärkt, „Cost of wear“ nicht aus dem Blick zu lassen.
    Hab einen schönen Tag und liebe Grüße aus Sachsen.

    Andrea

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